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Reisebericht Faroer-Inseln

Vom 30. August bis 9. September 2004 waren Tom OY/DL2RMC und ich OY/DL1RTL von den Färör-Inseln aus aktiv.

Spätestens nach dem Fußball-EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Faroer vor der letzten EM, wissen die meisten Deutschen, wo die Faroer-Inseln eigentlich liegen.

Tom, DL2RMC und ich, DL1RTL kennen uns schon lange. Nachdem er aus VK9C (Cocos-Keeling) und VK9X (Christmas-Island) zurückkehrte, stellte sich für ihn die alte Frage: "Where do we go next?", und wer kommt mit. Als er mich im vorrigen Herbst fragte, ob ich denn Lust hätte, mit nach OY zu kommen, sagte ich spontan zu. Für mich war es die erste DX-Expedition. Tom war auch schon von IS0 (Sardinien) aus sehr aktiv. Die Wahl fiel auf Faroer, weil man mit dem Auto dorthin kommt und demnach auch viel Equipment mitnehmen kann. Die Faroer-Inseln liegen im Nordatlantik, zwischen Schottland und Island. Wir begannen also zu recherchieren, wie man da hin kommt, und von wo aus man gut funken kann. Das war relativ einfach, denn OY wird doch ziemlich regelmäßig von Funkamateuren aktiviert. Es gibt eine Fährverbindung von Dänemark zu den Faroer-Inseln. Die Fähre fährt dann noch weiter nach Island. Als Reisetermin einigten wir uns auf die ersten beiden Septemberwochen. Wir hatten also noch genügend Zeit, zu entscheiden, was wir an Technik alles mitnehmen und was wir noch alles benötigen. Es sollte möglich sein, zwei Stationen gleichzeitig zu betreiben. Und die Low-Bands sollten nicht vernachlässigt werden. Dafür sollte eine 18m-Vertical aufgebaut werden. Für die höheren Bänder hatte Tom schon gute Erfahrungen mit dem Spider-Beam gesammelt, sowohl im Aufbau als auch im Funkbetrieb. Es handelt sich hierbei um einen drei Element Draht-Beam für die Bänder 20/15/10m. Ich hatte da noch einen Rotary für die Bänder 30/17/12m. Um Störungen zu vermeiden, fertigten wir im Eigenbau noch Bandfilter für alle geplanten Bänder an. Nun mußten wir uns noch um ein QTH bemühen. Nachdem es mit der Bestätigung für den eigentlich geplanten Standort nicht klappen wollte, entschieden wir uns für eine Jugendherberge in einem kleinen Dorf im nördlichen Teil der Inseln. Auf Anfrage, ob wir denn dort auch Antennen aufbauen können, fragte uns der Eigentümer, ob denn der anliegende Campingplatz ausreicht, der wäre im September nicht mehr belegt. Also war auch diese Frage geklärt. Die Tickets für die Fähre trafen ein, und es konnte losgehen. Am 28. August fuhren wir also in aller Frühe nach Hanstholm in Dänemark, die Fähre sollte um 20.00 Uhr ablegen.

 

Am Hafen
Warten auf die Einfahrt

Es war die Norröna der Fährlinie Smyril-Line. Viel zu zeitig waren wir dort, und die Fähre kam auch noch mit Verspätung an. Zuerst kamen viele LKWs und Auflieger von der Fähre runter, dann die Caravans und PKW, nun durften wir endlich rein. Relativ schnell haben wir unsere Kabine gefunden. Dann war noch genügend Zeit, das Ablegen zu beobachten. Aber bis dahin wurde die Fähre noch richtig vollgeladen. Es ist schon erstaunlich, wieviel LKW-Auflieger in solch eine Fähre rein passen. Um 23.00 Uhr war dann auch der letzte drin und die Fähre legte ab. Die 36 Stunden Überfahrt sollten nicht zu langweilig werden, es gab eigentlich fast alles an Bord. Man konnte im Restaurant gut (und teuer) speisen, Swimmingpool, Fitnißcenter oder Sauna nutzen, oder in Shops einkaufen.

Fähre
die Shoppingpassage

Kabine
9 Mann Kabine

Am Montag früh um halb sechs trafen wir in Torshaven ein, es war noch nicht ganz hell. Nun waren wir also angekommen, und die Hafenstadt, welche auch Hauptstadt der Faroer ist, sah genauso aus wie auf den Bildern, die man vorher gesehen hat. Ziemlich schnell kamen wir von Bord. Die Faroer-Inseln gehören nicht mehr zur EU, Kontrollen gab es keine. Nach ca. einer Stunde Autofahrt, kamen wir in Gjogv an, die ersten Eindrücke waren doch überwältigend, man hat schon viele Bilder gesehen, aber wenn man erst selbst dort ist, sieht alles noch viel schöner aus.

Jugendherberge
Jugendherberge

Dorf Gjogv
im kleinen Dorf Gjogv

Kaum aus dem Auto gestiegen, inspizierten wir schon den Platz für unsere Antennen. Mit dem Eigentümer des Youth Hostel kamen wir sehr gut klar, schnell war abgesprochen, wie wir die Antennenkabel verlegen können. Dann ging es ans Antennen Aufbauen. Nur gut, daß wir ausreichend Kabel mitgenommen haben, denn es waren pro Station doch ca. 40m erforderlich. Wir bauten also den Spider-Beam auf, weiterhin einen Rotary für die WARC-Bänder und noch eine 18m-Vertical für 160 bis 40m. Dafür verlegten wir insgesamt über 20 Radials über den gesamten Campingplatz. Die geografische Lage unseres Standortes war für die Inseln relativ gut. Die Bucht lag mit ihrer Öffnung Richtung Osten, so hatten wir freie Sicht von Nord bis Südost. In Richtung Westen hatten wir allerdings einige Berge, unter anderem auch den mit 882m höchsten Berg der Faroer-Inseln gerade mal 5km von uns entfernt.

Antennen
Antennen

Am Nachmittag waren wir dann qrv und Tom fuhr das erste QSO. Schon verursachte er das erste pile up auf 20m. Ich begann auf 30m, ebenfalls pile up, für mich ein neues Gefühl, aber ich denke, ich habe es in den Griff bekommen. Wir merkten schnell, daß die Ausbreitungsbedingungen für DX nicht so gut waren. Tom funkte mit einem IC 706 und einer 600 Watt PA, ich mit meinem alten TS 530 und 300 Watt PA. Geloggt wurde mit Laptop. Ab Mittwoch wurden die Conds dann besser, und wir konnten auch DX arbeiten, Tom fuhr auf 20m viele QSOs mit Japan und Asien. Am Donnerstag und Freitag konnte auch ich einiges DX auf 20m und auch 30m arbeiten, es kamen einige W's und VE's rein, aber auch PY, JA, YB und VK wurden gearbeitet. Auf 80m konnte Tom in der Nacht viele Stationen aus Südamerika mit guten Rapporten in SSB arbeiten. Ohne die vielen Radials hätte die Vertical bestimmt nicht so gut funktioniert. Dann kam der Freitag, ich wollte früh 160m machen, als es dämmerte sah ich, weshalb es nicht so gut ging. Ich merkte, daß es draußen ziemlich windig war, daß es ein Sturm war sah ich erst an der abgeknickten Vertical. Der Sturm hatte also in der Nacht schon einiges erledigt. Als es dann hell wurde, sah ich auch, daß ein Träger des Spider-Beam gebrochen war. Da der Sturm noch stärker wurde, blieb uns nichts weiter übrig, als die Masten einzufahren.

Sturmschaden
auch mein Rotary-Dipol kam zu Fall

Am Sonnabend war wieder schönes Wetter, die Vertical konnten wir auf 15m Höhe bringen, und der Beam war jetzt ein Multiband-Dipol. Am Nachmittag bekamen wir Besuch von zwei einheimischen Funkamateuren. Wir berichteten über unseren Sturmschaden, sie meinten jedoch, das war kein Sturm, es war nur etwas windig. Mit Beams haben sie es früher auch probiert, aber die überstehen die Winterstürme auf den Faroern nie, so funkt OY3QN nur noch mit Draht-Antennen, die kann man schnell wieder aufhängen, und OY1CT hat ab 20m eine 2-ele-Quad, den Mast fährt er aber bei Sturm ein und hofft, daß die Quad hält. Mit dem Wetter hatten wir sonst aber Glück, Temperaturen täglich so um 15 Grad, und es war auch mal ein Regentag dabei, aber sonst das beste Urlaubswetter. Es blieb auch Zeit, die Insel zu erkunden. Für Naturfreunde ist es hier unbeschreiblich schön. Und wo man hinsieht, sieht man Schafe. Die sind nicht in einer Herde, wie man es kennt, sondern verstreut in kleinen Gruppen über die gesamte Insel verteilt. Besonders beim Autofahren muß man Acht geben.

Schafe

Schafe

Unser Dorf hat 60 Einwohner. Es gibt auch eine Grundschule. Wir haben mal durchs Fenster geschaut, dort standen ein Lehrertisch und zwei Schülertische, in die Schule gingen gerade drei Kinder. Die Infrastruktur auf den Inseln ist sehr gut, die Straßen sind in guter Qualität gebaut, wir hatten im Dorf Kabel-TV und auch GSM-Versorgung. Nur zum Einkaufen mußten wir 25km weit bis zum nächsten Geschäft fahren. Dort gab es aber alles, auch an den Tankstellen kann man sich gut mit dem Nötigsten versogen. Einige Inseln sind mit Tunneln unter dem Meer verbunden. Auch sonst gibt es viele Tunnel, die etwas kürzeren so unter 2 km sind ohne Beleuchtung, aber immerhin zweispurig. 

Brücke
Diese Brücke in Oyrarbakki verbindet die beiden Inseln Streymoy und Eysturoy.
Hier mußten wir immer zum Einkaufen fahren.

Nach dem SSB-Fieldday-Wochenende reparierten wir den Spider-Beam, er hielt dann bis zum Schluß durch. Die Eigenbau-Bandfilter haben sich ausgezeichnet bewährt, jede Station hatte zwischen Transceiver und PA das entsprechende Filter eingeschleift, so waren absolut keine gegenseitigen Beeinflussungen vorhanden. Auf dem 20m-Band konnten wir abends immer sehr gut Europa und auch viele deutsche Stationen arbeiten. Tom widmete sich nun mehr den digitalen Betriebsarten, er verursachte in RTTY stets ein pile up. Hier nun unsere Statistik: Insgesamt fuhren wir 7332 QSOs mit 4914 verschiedenen Stationen. Davon waren 45 % in Telegraphie und 40 % in SSB, 10 % waren in RTTY und der Rest in BPSK und SSTV. Die meisten Stationen waren aus Europa, genau 6731, das sind 92 %. Mit Stationen aus Asien kamen wir 449 mal in Kontakt, was 6% ausmacht. Die Bedingungen auf Kurzwelle ließen leider nicht mehr DX zu, so daß mit Nord- und Südamerika nur 121 Verbindungen möglich waren. Am Donnerstag nachmittag begannen wir mit dem Abbau der Antennen, denn Freitag früh ging die Fähre. Also alles Material gut verstaut und das Auto gepackt, aber Tom konnte das Funken nicht lassen, wir hängten noch schnell einen 2x6m-Dipol mit symetrischer Speisung schräg vom Giebel auf, so fuhr er noch mit IC706 die letzten QSOs auf 40m und 30m. Der Andrang war immer noch enorm. Aber einmal mußte Schluß sein. Freitag früh eingecheckt, waren wir schnell und problemlos auf der Fähre. Hier kannten wir uns ja schon gut aus und wußten, wo die Steckdosen sind um den Laptop zu betreiben. Diesmal legten wir kurz in Lerwick auf den Shetland -Inseln an. Kurze Zeit später trafen wir Hans, MM0XAU. Er war einer von zwei Passagieren, die in Lerwick auf die Fähre kamen. Wir haben uns gut unterhalten, er erzählte einiges über die Shettland-Inseln und auch über Amateurfunk dort. Die Rückfahrt verlief reibungslos bei sehr ruhiger See. Wir kamen pünktlich in Hanstholm an, und unsere DX-Expedition war nun so gut wie zu Ende, es standen noch ca. 8 Stunden Autobahnfahrt an, aber auch das haben wir geschafft und ich konnte wieder bei meiner Familie sein. Die gewonnenen Eindrücke werden sicher noch lange anhalten und auch für mich stellt sich jetzt die Frage, "Where do we go next?"

Und nun noch einige schöne Bilder von der Insel:

Dorf Funningur 

Naturhafen

Klippen

Wasserfall

Ende


Das wars, im Hintergrund schon weit weg die Faroer-Inseln

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